Folgenden Beitrag fand ich heute in unserem örtlichen Käseblättchen:

Pewsum. Ein Theaterstück der Ländlichen Akademie Krumm­hörn (LAK) über rechtsradikale Gewalt hat ein Nachspiel. Das ließ Schulleiterin Ingrid Men­sch nach Aufführungen für den Klassen der Haupt- und Realschule durchblicken.
Der Grund: Bei den Schul­aufführungen des Stückes in der vergangenen Woche in der Aula des Johannes-Althusius-Gymnasiums (JAG) hatten ver­einzelte Jugendliche auf rechte Parolen und Symbole mit be­geisterten Zwischenrufen und Applaus reagiert. Die Schau­spieler dagegen, die im Stück eine gemäßigte Rolle gespielt hatten, waren am Ende ausge­buht worden.
Die Schule sieht nun Bedarf, um das Thema noch einmal aufzubereiten: Theaterpädago-ge Claus Gosmann, der das Stück mit den Jugendlichen einstudiert hatte, will in dieser Woche mit den Klassen über die Problematik sprechen, da­mit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt.
Insgesamt wurde das am Sonnabendabend zuletzt öf­fentlich aufgeführte Stück von den Zuschauern mit Begeiste­rung - und „Standing ovations” aufgenommen.
Und darum geht es: Eine einfache Bushaltestelle, im minimalistischen Bühnenbild angedeutet durch gemalte Um­risse auf einer Blankowand, ähnlich wie in dem Film „Dog-ville” mit Nicole Kidmann, bildet in dem Stück „Schaf rechts - Kein Spiel” der LAK-Jugendtheatergruppe den Le­bensmittelpunkt von etwa 20Jugendlichen im Alter zwi­schen 15 und 17 Jahre aus der Krummhörn. Hier treffen sie sich zum „Abhängen”, bespre­chen ihre Probleme, trinken Alkohol, leben ihre kleinen Ri­valitäten aus und lassen das Leben an sich vorüberziehen. Bis eines Tages der charismati­sche Jonas (sehr gut gespielt von Patrick Voß) in die Hütte seiner Eltern einlädt. Hier können sie es sich künftig ge­mütlich machen.
Allerdings gibt es ein paar Regeln, auf die Jonas und Kevin (überzeugend dargestellt von Eike Mustroph) die Teena­ger einschwören: Kein Streit mehr untereinander, denn alle sollen zusammenhalten und eine „Einheit” werden. Jeder kann dazugehören, nur Jonas/ Jugendfreund Sandro nicht,ihn stilisiert er als Buhmann, als Sündenbock und schließ­lich als Juden”. Ein wenig seltsam kommt es den meisten der Jugendlichen zwar vor, be­sonders, als eines Tages in der Hütte Nazi-Schmierereien an der Wand stehen, aber wirklich hinterfragen wollen sie das Ganze auch nicht, schließlich wollen sie den schönen Treff­punkt behalten, weiterhin ge­meinsam Spaß haben und vor allem will sich niemand gegen die Gruppe stellen.
So können Jonas und Kevin ganz allmählich ihr rechtes Gedankengut verbreiten. Akti­vitäten, wie eine lustige Ein­kaufswagenrallye, ein romanti­scher Lagerfeuerabend oder auch der Überfall auf das Ju­gendzentrum schweißen die Gruppe zusammen. kol

Die Szene ist typisch beschrieben: Jugendliche haben sich heute an der Bushaltestelle zu treffen, weil es andere Möglichkeiten nicht gibt. Den etablierten Parteien ist die nachwachsende Generation offenbar so ziemlich scheißegal: ein desaströses Bildungssystem, das laufend weniger statt mehr Mittel und Personal erhält, keine Freizeitmöglichkeiten (außer welche außerhalb des Portemonaies der Eltern), keine richtigen Zukunftsperspektiven, kein Bindeglied an irgendetwas. Bietet nun - wie hier im Schauspiel - jemand eine Alternative zur sonstigen öffentlichen Ignoranz, reagieren die Jugendlichen darauf.

Liebe Presse, hier ist so ein Signal, über deren Ignorieren ihr euch zur Zeit in Köln und anderswo wieder mal euer unqualifiziertes Maul zerreisst. Es ist Bedarf für ein wenig Kümmern da, nichts anderes sagt die Zustimmung in der Aufführung. Und die einzigen, die sich kümmern, stammen nun mal aus der rechten Szene - nicht zum ersten Mal, das war auch schon früher so! Es ist natürlich einfach, hier verbal solche Aktivitäten niederzumachen, aber warum habt ihr Sozis, Christdemokraten, Grüne und andere es denn verdammt noch mal nicht nötig, selbst mal was zu tun? Interessiert ihr euch nur noch für Leute, die genug Geld haben, euch zu bestechen? Und die Reaktion auf das Stück zeigt, dass ihr ja noch nicht mal mitbekommt, wo der Zug hinfährt! Ihr verliert gerade eine ganze Generation! Aber Hauptsache, die eigen Kasse stimmt!

Was passieren wird, ist jetzt schon klar. Die Schüler werden massiv unter Druck gesetzt werden, “da­mit sich ein solcher Vorfall nicht wiederholt”, ein “Kümmern” wird nicht geschehen. Der Vorfall wird sich an der Schule voraussichtlich aufgrund der Drohungen nicht wiederholen, aber das ideologische Abwandern wird sich durch so was nur noch verstärken.