von Gilbert Brands
19 Jan
Übersicht hat ja im ursprünglichen Sinn des Wortes was mit der Höhe des Standortes zu tun, und in der Hinsicht hat es den Alternativmotoriker Schäuble ganz besonders hart getroffen, kann er den Leuten von seiner Augenhöhe aus doch allenfalls vor den Bauch schauen.
Was er heute so in Deutschlandradio verzapft hat, spricht nun nicht gerade dafür, dass “Übersicht” für ihn noch eine andere Bedeutung als eben die Sicht von einem erhöhten Standort hat. Auf die Frage, wie er denn in den kommenden Jahren das Schuldenniveau zu reduzieren gedenke, hat er doch allen Ernstes (er meint das offenbar wirklich ernst!) die Antwort, dass in seiner Heimat (dem Schwarzwald) immer erst ein Schritt gemacht würde, bevor man über den nächsten nachdenkt, da man ansonsten Gefahr läuft, ins Straucheln zu geraten.
Nun, mit der Einstellung wäre er als Wanderer selbst im Schwarzwald inzwischen wohl ebenfalls im Rollstuhl gelandet (oder irgendwo in den Bergen verhungert), denn gerade bei Wanderungen denkt man sehr weit voraus, um auch mit einiger Wahrscheinlichkeit da anzukommen, wo man eigentlich hin möchte, und nicht in irgendeine Wand ohne Rückkehrmöglichkeit oder einen Sumpf. Aber wie soll man in seiner Position auch das Ziel sehen, wenn nur Bäuche in Sicht sind und keiner an die Seite geht ?
Symptomatisch auch seine Antworten bei anderen Fragen nach EU-Geldern oder Bankbesteuerungen. Da versteckt er sich fein säuberlich hinter der EU-Kommission und den USA, innerlich einen Stoßseufzer von sich gebend, dass ihm diese Institutionen noch rechtzeitig eingefallen waren. Diese Qualitätsjournalisten sind aber auch die Pest, warten sie doch ab und zu tatsächlich mit Fragen auf, die eigenes Denkvermögen für eine konstruktive Antwort voraussetzen (die haken dann sogor noch mal nach, aber das tun sie immer, selbst dann, wenn sie auch eine Frage bereits die Antwort bekommen haben, die sie eigentlich hören wollten).
Eine Kanzlerette, die nach im Durchschnitt 3-4 Auftritten pro Tag im letzten Jahr sich nun mangels sinnvoller Parolen kaum noch öffentlich blicken lässt, ein planloser Finanzminister, der sich vermutlich in seinem eigenen Ministerium verläuft und deshalb einen GPS-Peilsender am Rolli hat, damit man ihn wiederfindet, ein Außenminister, der qua öffentlich verbuchter Bestechungsgelder den Beweis antritt, dass ihm nichts mehr fehlt als diplomatisches Feingefühl - planloser geht es wirklich kaum noch. Die Kandidaturenthaltungen im letzten Jahr waren wirklich ein Fehler, denn mit Horst Schlemmer wäre wirklich mal ein Fachmann in ein Regierungsamt gekommen anstelle dieser Flachpfeifen.
5 Kommentare for "Planlos"
Ja, die kenn’ ich auch, also die, die mit ihren AOK Choppern Terror in der Zone für Fußgänger verbreiten.
Denen sollte man doch echt den Führerschein entziehen!
Hallo Gilbert,
das Spiel heißt Mikado. Wer sich zuerst bewegt hat verloren.
Zitat: »Auf die Frage, wie er denn in den kommenden Jahren das Schuldenniveau zu reduzieren gedenke, hat er doch allen Ernstes (er meint das offenbar wirklich ernst!) die Antwort, dass in seiner Heimat (dem Schwarzwald) immer erst ein Schritt gemacht würde, bevor man über den nächsten nachdenkt, da man ansonsten Gefahr läuft, ins Straucheln zu geraten.«
Die Antwort ist so dumm nicht. Eingedenk der Tatsache dass in der BRD-Regierung kein Schwein auch nur einen Gedanken darüber verschwendet, das Schuldenniveau zu senken. Das weiß Schäuble natürlich, aber er darf es ja nicht sagen. Sonst würde der ständige Geldabfluss in Form von Zinsen am Ende noch hinterfragt werden.
Zuletzt als ich nachguckte flossen per anno zwischen 70 und 80 Mrd. Euro an Zinsen ab. Ungefähr in dem Bereich bewegt sich die Neuverschuldung im Hause Schäuble, ebenfalls per anno. Eine klassische Win-Win-Beziehung. Die Banken (alias Hochfinanz) gewinnen, Schäuble (persönlich) wird früher oder später gewinnen. Gut, der Steuerzahler verliert. Aber irgendwas ist ja immer.
MfG
Hans
Hallo Hans,
noch arschiger ist die Karte, die die SPD gezogen hat. Das Gedruckse von Scholz heute Morgen zur Sozialpolitik war schon ziemlich lächerlich, weiß er doch bei der Spannweite, die Koch und Rüttgers aufgetan haben, wirklich nicht mehr, was er da noch anderes sagen könnte. Es gäbe zwar was, aber das kratzt natürlich an gewissen anderen Paradigmen.
Seine einzige Idee: mehr Leute in der Arbeitsvermittlung einzustellen, um die nicht vorhandenen Jobs besser zu vermitteln. Klasse! Man fragt sich bei solchen Sprüchen wirklich, wozu Kabarett eigentlich noch gut sein soll.
Kratzt an Paradigmen oder vorgegebenen Parametern?
Apropos Kabarett und SPD: Vor einiger Zeit sah ich einen Kabarettisten im Fernsehen, der die gegenwärtige Situation der SPD mit der von Fröschen verglich, die Jahre lang mit den Fischen in den selben Teich gekackt haben und sich nun bei den Fischen beschweren dass das Wasser dreckig ist.
Eben habe ich in den Nachrichten mal wieder das wohl am häufigsten vergewaltigte deutsche Wort gehört: »nachhaltig«. Vielleicht ließe sich die Idee von Olaf Scholz für eine wirklich nachhaltige Lösung des Problems mit der Arbeitslosigkeit verwenden.
Indem man sie auf die Spitze treibt: Der Bundestag beschließt ein Gesetz, nach dem für jeden Arbeitslosen bei der »Agentur für Arbeitslosigkeitsverwaltung« ein eigener Berater eingestellt werden muss. Beispielsweise in Form eines Ein-Euro-Jobs, womit also Hartz-IV-Empfänger angesprochen wären.
Für jede erfolgreiche Vermittlung winkt dem Berater ein dicker steuerfreier Bonus. Zugleich steht ihm die Wahl frei, wieder Hartzi zu spielen oder weiter zu vermitteln. Das dürfte schlagartig und nachhaltig die Arbeitslosenzahlen zunächst halbieren und in Folge kontinuierlich gegen null führen. Genial, nicht?
MfG
Hans
“… das wohl am häufigsten vergewaltigte deutsche Wort …” ist m.E. “alternativlos“. Abgesehen vom finalen Löffelabgeben (der Begriff ist auf die im Mittelalter gebräuchliche Sitte, immer einen Löffel dabei zu haben, zurückzuführen) gibt es immer eine Alternative, und selbst da hätte man in den meisten Fällen Einfluss auf den Zeitpunkt.
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