Streiten sich ein Chinese, ein Ägypter und ein Ostfriese, wer die älteste Kultur hat. Nach Hinweisen auf die chinesische Mauer und die noch älteren Pyramiden fragt der Ostfriese, ob die beiden anderen Adam und Eva kennen, und bemerkt nach bejahen: “Und die Eva, das war ‘ne geborene Janssen.” (weil hier jeder 3. so heißt).

Aber immerhin, den Namen Janssen gibt es hier immer noch, die Pyramiden haben selbst die Artillerieübungen eines glorreichen revolutionären Kaisers, der später von einem reaktionären Haufen von Königen und Landesfürsten in die Knie gezwungen wurde, überstanden, und die chinesische Mauer (eigentlich Mauern, denn es waren eine ganze Menge, die zu unterschiedlichen Zeiten gebaut wurden) steht auch noch. Selbst Häuser aus dem Mittelalter sehen noch ganz passabel aus, und was in der wilhelminischen Ära gebaut wurde und zwei Kriege überstanden hat, kann vermutlich ebenfalls noch weitere 300 Jahre durchhalten. Auch an ein normales Einfamilienhaus muss man frühestens nach 70-80 Jahren Hand anlegen.

Interessant wird es bei öffentlichen Bauten, vorzugsweise nach streng künstlerischem Pfusch am Bau aus Beton hochgezogen. Hier ist leider festuzstellen, dass die Betonbaukunst stark nachgelassen hat. Wer jetzt wieder die Nazikarte zieht und stöhnt “kann der den Speer nicht mal auslassen”, dem sei gesagt: die Nazidinger sind zwar äußerst stabil (man schaue sich mal in Nantes, Hamburg, Emden, Berlin oder anderswo um), aber die meine ich gar nicht. Man schaue sich bleistiftweise mal bei den Römern um: neben den alten römischen Seehäfen mit unter Wasser abbindendem Beton kann man sich deren alte Wasserleitungen anschauen oder, wenn man nach Rom kommt und einem nicht zu früh die Busfahrkarte geklaut wird, das Parthenon: eine der größten Betonkuppelbauten, saualt und immer noch ok.

Nicht so bei uns. An unserem …bau gibt es z.B. Feuerschutzwände, hinter denen man nicht nur hören kann, wenn nebenan einer furzt, nein, man kann es sogar riechen. Auch weggeworfenes Holz in meinem Garten braucht länger zum Verrotten als die Fensterrahmen dieses Etablissements. Damit man das nicht so sieht, gibt es auch kein Licht, und wer sich nicht auskennt, bringt besser eine Grubenlampe und sonstige bergmännische (oder -weibische) Ausrüstung mit. Und wenn man sich in Städten umschaut, gibt es allenthalben uralte Betonbauten, an deren Errichtung sich fast jeder erinnern kann, der vor 25 Jahren dort gewohnt hat und die heute wegen Baufälligkeit abgerissen werden. Teilweise fallen die Gebäude auch schon auseinander, bevor sie fertig sind. Man denke da an den Berliner Hauptbahnhof aus “stabilem Eisenfachwerk”, dessen Bestandteile beim ersten Sturm verzweifelte Fluchtversuche machten.

Natürlich ist keiner dafür verantwortlich bzw. wird dafür gemacht. Wie soll man auch den Duzfreund des Schwippschwagers eines nahestehenden Cousins seines Neffens belangen, wenn der aus purer Reue Spenden auf das Konto notleidender freiheitlicher Parteien leistet ? Statik heißt ja auch nur, dass man nach dem 6. Rentnergedeck immer noch aufrecht am Tresen steht und nicht hinfällt. Nein, da brüstet man sich doch lieber mit seinen ausländischen Meriten, und so mancher hier mit öffentlichen Aufträgen überschütteter Architekt wird vermutlich erfolgreich mit dem Slogan “in den USA hieß es immer, incapability is your second first name” für sich geworben haben.

Wird Zeit, dass mittelalterliches Baurecht wieder eingeführt wird. Da hatte sich der Architekt unter das Bauwerk zu stellen, sobald das Gerüst weggenommen wurde …