von Gilbert Brands
3 Sep
Schon vor XP ließ Bill Gates seine Zukunftsvision über das Arbeiten im Internet raus - und scheiterte. Anwendungen werden nach seiner Vision nicht mehr auf den Rechnern installiert, sondern im Netz zur Verfügung gestellt (Application on Demand). Der Vorteil: jeder Benutzer arbeitet jederzeit mit der neuesten Version, d.h. es gibt keine individuellen Fehler oder Kompatibilitätsprobleme. Probleme könnte es natürlich bei der Serverleistung geben, auch will MicroSoft natürlich daran verdienen und man bekäme nutzungsabhängig Rechnungen zugesandt, was aber nicht unbedingt teurer als der Erwerb von Software und Updates sein muss. Das eigentliche Problem wäre aber das offene System gewesen: wo sind die Daten und wer kann sie einsehen? Bei aller Verschlüsselungstechnik, mit der sicher einiges an Datensicherheit erreichbar wäre: das Vertrauen wollte dann wohl doch niemand in ein Unternehmen wie MicroSoft investieren - und aus war der Traum von Bill Gates.
Nun kommt seit geraumer Zeit google mit unscheinbaren Angeboten daher:

google sagt es nicht, google will (noch) kein Geld dafür, aber es ist die Umsetzung von Gates Vision, allerdings mit einer wesentlich eindeutigeren Aussage: die Daten sind nicht mehr beim Nutzer! Was dabei jetzt schon herauskommt, habe ich hier beschrieben. Letzter Coup: der google-Browser, der sich vermutlich zum Frontend für googles “Application and database on demand” mausern wird. Dieser verfügt über eine eigene JavaScript-Engine, was nur Sinn macht, wenn man mehr vorhat als nur einen weiteren Browser beizusteuern (und schon an sich ein Grund sein sollte, die Finger davon zu lassen, denn die verschiedenen JavaScript-Maschinen waren in der Vergangenheit immer wieder eine Quelle von Exploits. Die neue wird nach aller Erfahrung weitere beisteuern).
Wie die Entwicklung weitergehen wird, ist eigentlich schon absehbar: auf der Grundlage des Browsers werden weitere Applikationen, z.B. Text- und Bildverarbeitung angeboten werden, natürlich mit zentraler Datenhaltung durch google, wobei über die Sicherheit kein Wort verloren wird (notwendig wäre zumindest eine starke Verschlüsselung mit einem beim Nutzer befindlichen Schlüssel). Der normale Nutzer wird voraussichtlich in absehbarer Zeit alle benötigten Funktionen hier finden und mit einem Minimalstrechnersystem mit Internetanschluss auskommen - vielleicht einem weiterentwickelten Handy, denn schon heute können viele Kids ja schneller eine SMS eintippen als eine herkömmliche Sekretärin eine Schreibmaschine bedient. Gates und MicroSoft sind mit ihren Versionen damit deutlich überholt, google wird die Position von MicroSoft einnehmen, und MicroSoft still und leise im Hintergrund verschwinden wie IBM oder andere, die im Privatbereich gar nicht mehr auftreten, sondern nur den kommerziellen Bereich bedienen.
Und der Preis? Zunächst sind Daten schon alleine aufgrund von Bedienfehlern äußerst anfällig, wie das oben genannte Beispiel zeigt. Das andere Problem: wo sind die Daten? Vermutlich derzeit in den USA, und da sind sie gut aufgehoben, denn das dortige Recht sieht so aus, dass die Daten dem gehören, der sie hat, und nicht etwa dem, den sie betreffen, so wie bei uns. Mit anderen Worten: mit der freiwilligen Übergabe der Daten an google darf google damit machen, was es will, und vor Missbrauch schützt lediglich die Zusicherung von google, dass nicht tun zu wollen. Aber was ist, wenn die Einnahmen nicht stimmen? Oder eine Regierung meint, die Daten zu benötigen? Ich habe dieses Vertrauen nicht, und offenbar auch viele Systemadministratoren nicht, wenn sie für Login-Rückmeldungen zu Account-Daten google-mail-Konten ausdrücklich ausschließen.
Aber es wird so kommen wie immer. Bereits jetzt wird der google-Browser von manchen frenetisch begrüßt, als ob Firefox oder Opera (oder meinetwegen sogar IE) überhaupt nicht funktionieren würden. Aber wenn ihr auf die Nase fällt, denkt an mein Versprechen im o.g. Beitrag! Wer sich dann bei mir beschwert, kriegt was auf die Glocke!
Kommentar hinterlassen