Wer Satelittenfernsehen hat, kann in der Regel eine Unmenge exotischer Programme empfangen, und die viele Werbung verleitet einen manchmal zu einem Rundweg durch die Welt. Allerdings ist das oft gar nicht so einfach, festzustellen, dass man bei einem Exotensender gelandet ist. Bei den arabischen Sendern merkt man das erst, wenn trotz erhöhter Lautstärke immer noch unverständliches Geräuspere zu hören ist - aber auch Französisch als Sprache kann bedeuten, dass man bei einem algerischen oder marokkanische Sender gelandet ist und nicht in Frankreich. Zu sehen ist das meist nicht, weil sich Bühnenbild, Kleidung und Auftreten der Akteure kaum von Vera-am-Morgen, ZDF-Magazin oder RTL-II-News unterscheidet.

Besonders peinlich wirkt auf mich so eine Show, wenn armani-beanzugte und krawattierte Herren oder tiefausschnitt-designergekleidete und perfekt mitteleuropäisch geschminkte Damen von einem Sinfonie-Orchester bester europäischer Prägung begleitet ihre lokale Volklore trällern. Das passt einfach nicht und klingt vermutlich sowohl für Europäer als auch für Araber manchmal ziemlich schräg. Es ist schon schimm genug, wenn Hansi Hinterseer, der ja bekanntlich kein Wort verständliches Hochdeutsch spricht, in dieser für ihn fremden Sprache volksdeutsches Liedgut zum Besten gibt, aber muss das wirklich sein, dass in arabischen Ländern die europäische Fernseh- und Kleidungskultur bis ins Detail nachgeäfft wird, statt die eigene Kultur zu pflegen? Unsere NachrichtensprecherInnen treten doch auch nicht im Baströckchen und Blumenkränzen auf der ansonsten nackten Brust vor die Kamera und hauchen “Aloah” statt “guten Abend”.