von Gilbert Brands
23 Okt
Wer Satelittenfernsehen hat, kann in der Regel eine Unmenge exotischer Programme empfangen, und die viele Werbung verleitet einen manchmal zu einem Rundweg durch die Welt. Allerdings ist das oft gar nicht so einfach, festzustellen, dass man bei einem Exotensender gelandet ist. Bei den arabischen Sendern merkt man das erst, wenn trotz erhöhter Lautstärke immer noch unverständliches Geräuspere zu hören ist - aber auch Französisch als Sprache kann bedeuten, dass man bei einem algerischen oder marokkanische Sender gelandet ist und nicht in Frankreich. Zu sehen ist das meist nicht, weil sich Bühnenbild, Kleidung und Auftreten der Akteure kaum von Vera-am-Morgen, ZDF-Magazin oder RTL-II-News unterscheidet.
Besonders peinlich wirkt auf mich so eine Show, wenn armani-beanzugte und krawattierte Herren oder tiefausschnitt-designergekleidete und perfekt mitteleuropäisch geschminkte Damen von einem Sinfonie-Orchester bester europäischer Prägung begleitet ihre lokale Volklore trällern. Das passt einfach nicht und klingt vermutlich sowohl für Europäer als auch für Araber manchmal ziemlich schräg. Es ist schon schimm genug, wenn Hansi Hinterseer, der ja bekanntlich kein Wort verständliches Hochdeutsch spricht, in dieser für ihn fremden Sprache volksdeutsches Liedgut zum Besten gibt, aber muss das wirklich sein, dass in arabischen Ländern die europäische Fernseh- und Kleidungskultur bis ins Detail nachgeäfft wird, statt die eigene Kultur zu pflegen? Unsere NachrichtensprecherInnen treten doch auch nicht im Baströckchen und Blumenkränzen auf der ansonsten nackten Brust vor die Kamera und hauchen “Aloah” statt “guten Abend”.
3 Kommentare for "Neben der Spur"
hallo gilbert,
das beobachtete phänomen ist die kopie der kopie. erst in europa im tv - programm die serien aus amerika, dann die logische kopie auf der erfolgswelle in “eigen”produktion. andere machen das dann nach, wie erlebt. das scheint kein regulat zu haben. keineswegs möchte ich hier den dumpfen antiamerikaner geben, obgleich ich da sehr an mich halten muss. schliesslich muss ich meine tv sozialisation mit bonanza und bezaubernder jeanny (?) hier ofenbaren. tv werbung wurde damals von den zuschauern ferngehalten, imnachhinein ist mir keine kritik erinnerlich, die diesen zustand als unfreiheit beschreibt. die nachfolgenden shows mit automatisierter klatsch und lachautomatik habe ich mir selbst als kind nicht angetan.
die normalität eines fernsehverhaltens, das derlei sendungen scheinbar nötig macht, ist mir fremd, obwohl mir leider dieses konsummuster aus meiner umgebung wohlbekannt ist.
tv sendungen dieser art sind niemals selbstgängerisch. immer sind unappetitliche dinge im kielwasser: werbung und ideologie! und: die glotze läuft statt radio.
unklar, warum die alle das über sich ergehen lassen.
die weitreichende gehirnwäsche scheint einen zustand zu erzeugen, in der nichtteilnahme daran als unmodern gilt.
unmoderne haben es schwer in heutigen zeiten!
essenz: mut zu zeigen, unmodern zu sein gegen diese art der globalisierung.
es grüsst
peteke
[...] ein nicht nur mir fremdes thema, passiv erlebt, berichtet gilbert brands. er beschreibt, wie alltägliche tv - unterhaltung in anderen ländern zu einem einheitsbrei [...]
Dazu noch ein Kommentar , den ich anderswo hinterlassen habe. Vielleicht solltest du den Widerwillen gegen die Verunreinigten Staaten von Amerika doch mehr raushängen lassen.
GB
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